Atari TT

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Atari TT030

Atari TT030
Atari TT030

Technische Daten
Hersteller Atari Computer GmbH
CPU Motorola 68030 @ 32 MHz
FPU Motorola 68882 (optional)
RAM 2–10 MB ST-RAM, 4–256 MB TT-RAM
Grafik TT-Shifter (4 Auflösungen)
Sound YM2149 (PSG), 8-Bit DMA-Sound
Betriebssystem TOS 3.01 / 3.05 / 3.06
Marktdaten
Erschienen 1990
Eingestellt 1994
Nachfolger Atari Falcon030



Atari TT030 ist die Bezeichnung für Ataris professionelle 32-Bit-Computerbaureihe, die von 1990 bis 1994 hergestellt wurde. Der Name steht für Thirty-Two/Thirty-Two (32-Bit-Datenbus) und 030 für den eingesetzten Motorola-68030-Prozessor.

Technische Übersicht

Der TT030 wurde als professionelles Arbeitstier oberhalb der Atari ST-Linie positioniert. Gegenüber dem ST bietet er deutlich mehr Rechenleistung, mehr Speicher und erweiterte Grafikfähigkeiten — bei weitgehender Softwarekompatibilität zum Vorgänger.

Eigenschaft Wert
Prozessor Motorola 68030 @ 32 MHz (CPU-intern), 16 MHz Systembus
Koprozessor Motorola 68882 FPU (optional)
ST-RAM 2 MB (auf Hauptplatine), erweiterbar auf 10 MB
TT-RAM 4–256 MB (über Erweiterungskarten)
Betriebssystem TOS 3.01, 3.05 oder 3.06
Diskettenlaufwerk DD 720 kB (frühe Revision) / HD 1,44 MB (späte Revision)
Festplatte SCSI, ab Werk 48 oder 80 MB
Grafik TT-Shifter mit 4 Auflösungsmodi
Sound YM2149 PSG + 8-Bit DMA-Sound
Erweiterungsbus VME-Bus (2 Slots)

Arbeitsspeicher

Eine Besonderheit des TT ist die Aufteilung des Arbeitsspeichers in zwei nicht zusammenhängende Bereiche — ein Konzept ähnlich dem des Commodore Amiga. Diese Aufteilung war eine bewusste Designentscheidung um maximale Kompatibilität zum Atari ST zu gewährleisten.

ST-RAM

Das ST-RAM liegt an identischen Adressen wie beim Vorgänger ST, also innerhalb der ersten 16 MB im Adressraum. Hier liegt auch der Videospeicher (Video-RAM), was CPU-Zugriffe geringfügig verlangsamt. Einige ST-kompatible Peripheriebausteine — etwa der DMA-Chip — können ausschließlich auf diesen Speicher zugreifen.

  • Mindestgröße: 2 MB (fest auf der Hauptplatine)
  • Maximalgröße: 10 MB (über Steckkarten)
  • Der TT ist ohne ST-RAM nicht lauffähig

TT-RAM (Fast-RAM)

Das TT-RAM steht der CPU ohne Wartezyklen direkt zur Verfügung und ist dadurch deutlich schneller als das ST-RAM. Es ist für rechenintensive Anwendungen und für das Laden von Treibern und Programmen besonders geeignet.

  • Typische Auslieferungskonfiguration: 4 MB
  • Maximalgröße: 256 MB (über Fremdherstellerkarten)
  • Der TT ist auch ohne TT-RAM lauffähig

Grafikauflösungen

Der TT-Shifter bietet vier Auflösungsmodi:

Modus Auflösung Farben Anmerkung
ST-niedrig 320 × 200 16 von 4096 ST-kompatibel
ST-mittel 640 × 200 4 von 4096 ST-kompatibel
ST-hoch 640 × 400 2 (s/w) ST-kompatibel
TT-hoch 1280 × 960 2 (s/w) für TTM194/TTM195
TT-mittel 640 × 480 16 von 4096
TT-niedrig 320 × 480 256 von 4096

Revisionen

Es wurden zwei wesentliche Hardwarerevisionen des TT030 gefertigt:

Frühe Revision (Daughterboard-TT)

  • Blechkäfig als elektromagnetische Abschirmung unter dem Kunststoffgehäuse
  • Prozessor auf separatem Daughterboard (Taktverdopplung 16 → 32 MHz)
  • DD-Diskettenlaufwerk (720 kB)
  • Ausgeliefert mit TOS 3.01
  • RAM-Nachrüstung erfordert Blechschneidewerkzeug (ungünstiger Käfig)
  • Vereinzelt sollen Vorserienmodelle ohne Taktverdopplung existieren

Späte Revision

  • Leitfähige Beschichtung (rötlich-braun) auf Gehäuseinnenseite statt Blechkäfig
  • Prozessor direkt auf der Hauptplatine
  • HD-Diskettenlaufwerk (1,44 MB)
  • Ausgeliefert mit TOS 3.05 oder 3.06
  • Geänderte Festplattenabdeckung — Deckel zwischen Revisionen nicht austauschbar

Massenspeicher

Intern

  • Diskettenlaufwerk: DD 720 kB (frühe Revision) oder HD 1,44 MB (späte Revision)
  • SCSI-Festplatte: ab Werk 48 oder 80 MB

Extern

  • Zusätzliches Diskettenlaufwerk: SF-314, SF-354, PCF554 oder Fremdlaufwerke
  • ACSI-Geräte: Atari Megafile-Serie (Atari-spezifische Schnittstelle)
  • SCSI: Festplatten, Wechselplatten, CD-ROM-Laufwerke

Betriebssystem

Der TT030 wurde mit TOS (The Operating System) in den Versionen 3.01, 3.05 oder 3.06 ausgeliefert. TOS 3.x bringt gegenüber TOS 1.x (ST) folgende Neuerungen:

  • Unterstützung für TT-RAM und TT-Grafikmodi
  • Verbesserter Desktop (GEM 3.x)
  • SCSI-Unterstützung

Geplant war auch eine UNIX-Variante unter dem Namen TT/X — ein System-V-Release-4-kompatibles System, seinerzeit eines der ersten SVR4-Systeme überhaupt. Prototypen wurden auf der Atari-Messe in Düsseldorf vorgestellt. Die fertige Version wurde Ende 1990 lediglich an wenige Entwickler ausgeliefert, nie an Endkunden.

Anschlüsse

Anschluss Format Funktion
Tastatur 6-pol. Westernstecker Atari-Spezialtastaturen
MIDI In / MIDI Out 5-pol. DIN Musikgeräte, Sequenzer
LAN Mini-DIN Serielle Schnittstelle (ungenutzt; AppleTalk-elektrisch)
ROM-Port 40-pol. Platinenstecker Programmmodule, Scanner-Interfaces
Audio L/R Cinch Stereoausgang für Verstärker
Serial 1 / Serial 2 D-SUB 9 Serielle Schnittstellen (auf VME-Abdeckblende)
Modem 1 / Modem 2 D-SUB 9 Serielle Schnittstellen
Monitor 15-pol. D-SUB VGA-kompatibler Monitorausgang
Printer D-SUB 25 Standard-Parallelport
DMA (ACSI) D-SUB 19 Atari-ACSI für Festplatten und SLM-Laserdrucker
Floppy DIN 14-pol. Externe Diskettenlaufwerke
SCSI D-SUB 25 SCSI-1 für Festplatten, CD-ROM etc.
VME-Bus intern 2 Erweiterungsslots für Grafikkarten etc.
Maus / Joystick D-SUB 9 (2×) An der Tastatur

Peripherie

Monitore

Atari entwickelte folgende Monitore speziell für den TT030:

Modell Größe Auflösungen Typ
Atari PTM144 14 Zoll 640×350, 640×400, 640×480 Graustufen
Atari PTM145 14 Zoll 640×400, 640×480 Graustufen
Atari PTC1426 14 Zoll 320×200, 640×200, 640×480 Farbe
Atari TTM194 19 Zoll 1280×960 Monochrom (ECL)
Atari TTM195 19 Zoll 1280×960 Monochrom (ECL)

Die meiste ST-Peripherie kann weiterhin genutzt werden — mit Ausnahme der ST-spezifischen Monitore (SM124, SM125).

Erweiterungen

Für den TT030 existiert eine Reihe spezieller Hardware-Erweiterungen:

Anwendungsgebiete

Der TT030 war dank seiner Leistung, des VME-Buses und der professionellen Peripherie vor allem in folgenden Bereichen verbreitet:

  • Desktop-Publishing (DTP): Calamus läuft bis heute nativ auf dem TT030
  • MIDI und Musikproduktion: Eingebaute MIDI-Schnittstellen, leistungsstarker Prozessor
  • Wissenschaft und Technik: Messtechnik, CAD, Datenerfassung
  • Professionelle Büroanwendungen

Weblinks