AT-Speed
Übersicht
Der AT-Speed ist ein sogenannter AT-Emulator. Er wurde von der Firma Sack Electronic für die Atari ST-Serie entwickelt und ist der Nachfolger des verbreiteten PC-Speed. Die überarbeitete Version AT-Speed C16 taktet den 80286 höher und ermöglicht die Nachrüstung einer FPU. Der PC-/AT-Emulator ermöglicht es Programme, die für IBM PCs/ATs oder kompatible PCs/ATs geschrieben wurden, auf dem Atari auszuführen bzw. laufen zu lassen. Da auf der Karte eine 80286-CPU CPU steckt können die CPU-Befehle direkt mit ihrer vollen Geschwindigkeit ausgeführt werden. Die Geschwindigkeit entsprach einem typischen PC-AT im Zeitraum 1987-1988.
Der AT-Speed nutzt die Laufwerke, das RAM und die Standardgrafik des Atari ST. Ausreichend Hauptspeicher (möglichst 4 MB ST-RAM) vorausgesetzt, kann die AT-Speed Software auch als Accessory ausgeführt werden. Festplatten mit bis zu 32 MB großen Partitionen können vom AT-Speed (mit-) genutzt werden. Die Originalsoftware von Sack Electronic ermöglicht die Verwendung von Festplatten, die per ACSI angeschlossen sind.
Technische Daten
- Die 80286 CPU wird mit 8 MHz (AT-Speed) oder 16 MHz (AT-Speed C16) getaktet.
- Eine 80287 FPU kann beim AT-Speed nicht nachgerüstet werden. Der AT-Speed C16 ermöglicht die Nachrüstung einer 80287 FPU.
- Für den Betrieb das AT-Speed/AT-Speed C16 im Atari ST wird die zum Lieferumfang gehörende Treibersoftware von Sack Electronic benötigt. Der AT-Speed C16 benötigte eine 3.x Version der Software.
- Als PC-Betriebssystem kann DR-DOS, MS-DOS und Microsoft Windows bis Version 3.0 verwendet werden. Auch moderne DOS-Derivate wie FreeDOS können genutzt werden, sofern sie die 80286 CPU unterstützen.
Einbauhinweis
- Der Einbau erfordert einen passenden CPU Sockel und entsprechende Lötarbeiten.
- Auflöten eines 64 poligen CPU-Sockels auf den MC68000 des Atari ST und dort den AT-Speed/AT-Speed C16 hinein stecken.
Erweiterungen vom ThunderStorm-Team
CZietz vom ThunderStorm-Team hat die AT-Speed (v2.x) und die AT-Speed C16 (v3.x) Software angepasst, so dass sie die Nutzung von Partitionen auf IDE-Festplatten/Speicherkarten ermöglichen, die per Lightining ST angeschlossen sind. Die überarbeitete Software ist auf www.newtosworld.de verfügbar. Ein passend vorkonfiguriertes Disk-Image, dass z. B. mittels HDDRUTIL auf eine Festplatte/Speicherkarte geschrieben werden kann, ist ebenfalls enthalten. Das Image enthält auch eine vorkonfigurierte DOS-Partition mit modernem DOS-Kernel und Treibern, für das FastRAM der Storm ST (8MB Extended Memory!) und eine ggf. daran angeschlossene Echtzeituhr.
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AT-Speed Platine mit CPU 80286 von Siemens
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AT-Speed Platine Rueckseite
AT-Speed mit Lightning-ST und Storm-ST
Die Erweiterungen des ThunderStorm Teams sind eine hervorragende Ergänzung für den AT-Speed/AT-Speed C16. Die Storm-ST stellt zusätzliches RAM bereit, das in AT-Speed als Extended Memory nutzbar ist. Sofern ein Echtzeituhr-Modul (RTC) angeschlossen ist, kann dieses benutzt werden, um die Systemzeit des AT-Speed zu setzen. Die Lightning-ST macht mit ihren USB-Anschlüssen und der IDE-Anbindung die Softwarebestückung der DOS-Partitionen besonders einfach. Nachfolgend ist die Konfiguration der AT-Speed + Lightning + Storm-Kombination beschrieben.
Grundvoraussetzungen und Erfolgsfaktoren
- Atari der ST Baureihe
- AT-Speed oder AT-Speed C16 (installiert & funktionsfähig)
- Lightning ST mit funktionsfähigem IDE Datenträger (installiert & funktionsfähig)
- Für diese Dokumentation wurden TOS 2.06 und EmuTOS 1.3, sowie HDDRIVER / HDDRUTIL v12.73 verwendet. Andere TOS-Versionen und Festplattentreiber können nach gleichem Muster ebenso funktionieren, wurden vom Autor aber nicht getestet.
- Passende AT-Speed/AT-Speed C16 Software
- AT-SPEED Version 2.33IDE
- AT-SPEED C16 Version 3.50IDE
Partitionierung
Einschränkungen - DOS, TOS, AT-Speed Software
- Die DOS Seite des AT-Speed erfordert eine logische Sektorgröße von 512 Bytes.
- Die TOS Seite (ab 1.04) hat eine Beschränkung auf 65.535 Sektoren pro Partition.
- Die Verbindung von 512 Byte pro logischem Sektor mit maximal 65.535 Sektoren führt zu einer maximalen Partitonsgröße von 32 MB, die für alle Partitionen eingehalten werden muss, welche von beiden Betriebssystemen benutzt werden sollen.
- TOS 1.00 und 1.02 haben eine Beschränkung auf maximal 32.767 Sektoren. Damit wären entsprechend max. 16 MB Partitionen möglich.
- Wichtig ist, dass auch die Partition(en), die sich VOR den gemeinsam genutzten Partitionen befinden, die maximale Partitionsgröße von 32 MB einhalten. Ist dass nicht der Fall, kommt die Laufwerkzuordnung der AT-Speed-Software durcheinander.
Fertiges Image mit HDDRUTIL schreiben
- Achtung: Das Schreiben des Images auf die Platte/Speicherkarte löscht alle auf dem Zielmedium vorhandenen Partitionen/Daten.
- >>> Kein Backup, kein Mitleid <<<
- Der einfachste Weg zum Erfolg ist die Verwendung des vorkonfigurierten Images das im `atspeed-ide-package-dec-2025.zip` auf newtoswold.de enthalten ist.
- Das Image kann mittels HDDRUTIL auf eine mindesten 128MB große Festplatte/Speicherkarte geschrieben werden.
Eigene Partitionierung erstellen
Partitonsschema
- Das Vorgehen bei der Partitionierung bzw. die Anforderungen daran sind nicht spezifisch für das Zusammenwirken mit der Lightning-ST. Schema und Vorgehen sind 1:1 gültig für die Konfiguration von ACSI-Laufwerken.
- Die Partitionierung in diesem Beispiel bildet das in der Tabelle aufgeführte Schema ab. Das im Screenshot unter der Tabelle vorhandene Laufwerk K: ist nicht Teil der Partitionierung. Es wird von der Lightning ST via USB bereitgestellt.
- Wie oben beschrieben, ist es wichtig, das alle Partitionen, die von TOS und DOS gemeinsam genutzt werden sollen (Partition 2-4), maximal 32 MB groß sind (hier 31,9 MB). Sind die Partitionen größer, können sie nur von DOS benutzt werden, nicht aber von TOS.
- Eine solche Konfiguration kann z.B. für ein größeres DOS-Boot-Laufwerk sinnvoll sein, wenn zum Datenaustausch mit TOS eine andere 32 MB Partition verwendet werden soll.
- Wichtig ist auch, dass die Partition(en) vor den TOS/DOS-Partitionen nicht größer als 32 MB sind, weil ansonsten die Laufwerkzuordnung der AT-Speed Software, und nachfolgender Treiber, durcheinander kommt.
| Partition | Größe | TOS LW | DOS LW | Zweck |
| 1 | 31,9 MB | C: | - | TOS Boot Laufwerk |
| 2 | 31,9 MB | D: | C: | DOS Boot Laufwerk |
| 3 | 31,9 MB | E: | D: | DOS Programme |
| 4 | 31,9 MB | F: | E: | DOS Daten |
| 5 | 510 MB | G: | - | TOS Programme |
| 6 | 510MB | H: | - | TOS Daten |
| 7 | 510MB | I: | - | TOS Spiele |
| 8 | 510MB | J: | - | TOS Temp |
Partitionierung mit HDDRUTIL
- Achtung: Die neue Partitionierung der Platte/Speicherkarte löscht alle auf dem Zielmedium vorhandenen Partitionen/Daten.
- >>> Kein Backup, kein Mitleid <<<
- Verwendet wurde HDDRIVER/HDDRUTIL 12.73. Weitere Versionen wurden nicht getestet. Andere Nutzer bestätigen, dass HDDRIVER/HDDRUTIL 12.x funktionieren.
- Wichtig ist es, die Partitionskompatibilität richtig zu konfigurieren.
- Partitionsschema: TOS
- TOS-Kompatibilität: TOS 1.04 und neuer
- GUID-Partitionstabelle NICHT aktivieren
- Byte-Swapping NICHT aktivieren
- Abgesehen von den weiter oben beschriebenen Einschränkungen kann die Partitionierung so gestaltet werden, wie es zum System und Anwendungsfall passt.
- In diesem Beispiel wurden die ersten 4 Partitionen entsprechend der max. 32 MB Regel angelegt. Dahinter wurden 4 größere Partitionen zur Nutzung mit TOS angelegt. Hier wären auch größere Partitionen möglich, aber für den Anwendungsfall nicht von Vorteil, gewesen. Der auf der Speicherkarte verbleibende Platz wurde bewusst frei gelassen.
- Mit OK und nach zweifacher Bestätigung, dass man wirklich Partitionieren möchte und dabei vorhandene Daten verloren gehen, werden die Partitionen von HDDRUTIL angelegt.
- Ein Neustart ist erforderlich.
- Prüft man das Resultat in HDDRUTIL, sieht es folgendermaßen aus.
- Jede der 31,9 MB Partitionen hat folgende Eigenschaften:
AT-Speed Software Konfiguration
- Bis auf die neue Auswahlmöglichkeit IDE in der Festplattenkonfiguration ist das Vorgehen bei den Einstellungen für die AT-Speed Software identisch mit dem Handbuch und dem Vorgehen mit ACSI Laufwerken. Wer damit vertraut ist, kann dieses Kapitel überspringen.
- Grundvoraussetzung für die Nutzung eines Laufwerks am IDE Port der Lighting-ST ist die Verwendung der passenden Software
- AT-SPEED Version 2.33IDE
- AT-SPEED C16 Version 3.50IDE
- Die Konfiguration erfolgt mit dem Programm ATS_INST.PRG aus dem jeweiligen Archiv (und nur mit dieser, da sie um die Funktionalität zur IDE Konfiguration erweitert wurde)
- Die relevanten Konfigurationen erfolgen im Disk Menü
- Soll das DOS (zunächst) von Diskette gebootet werden, muss das richtige Laufwerk -intern oder extern - ausgewählt werden
- Für die Nutzung von Partitionen auf dem IDE Laufwerk der Lighting ST muss HD Type auf IDE gesetzt werden
- Das Partitionsformat auf NON GEM einstellen
- Die Zuordnung der TOS Laufwerke zu DOS Laufwerken erfolgt in diesem Beispiel, wie in der Tabelle oben dargestellt: TOS D: = DOS E: usw.
- Abschließend ist noch zu konfigurieren ob AT-Speed eine Festplatte verwenden soll.
- Die Einstellung Yes bindet die zuvor konfigurierten Laufwerke in DOS ein, bootet aber von Diskette.
- Das ist sinnvoll, wenn DOS C: noch keine funktionsfähige DOS Installation enthält, oder generell zum Testen und konfigurieren.
- Die Einstellung HD Boot bindest die zuvor konfigurierten Laufwerke in DOS ein und bootet vom DOS C: Laufwerk. Das sollte die Standardkonfiguration sein, wenn alles vollständig eingerichtet, installiert und konfiguriert ist.
- Beim Beenden von `ATS_INST` die Konfiguration speichern.
- Jetzt kann der AT-Speed mit dem Programm `AT_SPEED.PRG`gestartet werden.
DOS Konfiguration
- Je nach Konfiguration s.o. bootet der AT-Speed das DOS von Diskette oder von der Festplattenpartition C:.
- Sofern, wie weiter oben beschrieben, das vorbereitete Image verwendet wird, ist die DOS C: Partition bereits bootfähig und mit einer minimalen DOS Installation bestückt.
- Es ist nichts weiter zu tun, als die DOS Installation um die gewünschten Tools, Anwendungen und Spiele zu erweitern.
- Die nachfolgenden Screenshots zeigen den Start von DOS C: basierend auf dem Standardimage. Zu erkennen ist im AT-Speed Boot Screen:
- Der 80826 läuft mit 16MHz - AT-Speed C16.
- Die 4MB des Mega ST wurden erkannt (704 kb Base und 3072 kb Extended)
- Eine Festplatte (Harddisk: installed) eingebunden ist.
- Nachfolgend wird der Strom Treiber V1.12 geladen, welcher die 8MB FastRAM der Storm als Extended Memory einbindet. Dabei werden die 3072 kb ST-RAM, welche zuvor eingebunden wurden, überlagert. Es stehen also "nur" 8MB Extended Memory zur Verfügung, nicht 11 MB.
- ADD_PART V2.0 bindet die dritte Partition als DOS E: ein. Die AT-Speed Software kann nur zwei Partitionen / Laufwerke als Festplatten einbinden. Alle weiteren Laufwerke werden über ADD_PART hinzugefügt.
- Als letzter Schritt der AUTOEXEX.BAT Ausführung wird die Systemzeit vom Echtzeituhr-Modul der Storm ST übernommen.
- config.sys und autoexec.bat
- Bei einer eigenen Partitionierung muss die DOS C: Partition entsprechend zunächst eingerichtet werden. Wer nicht mit DOS Bootdisketten hantieren möchte, kann sich mit HDDRUTIL die DOS C: Partition als separates Image aus dem, wie oben beschrieben, installierten Standardimage extrahieren und die eigene DOS C: Partiton damit überschreiben.
- Ansonsten wird eine DOS Bootdiskette benötigt. Grundsätzlich kann jedes DOS mit Unterstützung der 80286 CPU verwendet werden. Es empfiehlt sich jedoch ein modernes DOS wie z.B. FreeDOS oder EDR DOS zu verwenden, um z.B. in den Genuss von Jahr-2000-Fähigkeit zu kommen.
- Ein Negativbeispiel wäre u.a. ein altes DR DOS 5.0, dass mit dem AT-Speed C16 ausgeliefert wurde. Es kann weder ein Datum >1999 verarbeiten, noch auf die DOS Partitionen zugreifen.
- Zur Erstellung einer DOS Bootdiskette verwendet der Retro-Enthusiast natürlich echte alte PC Hardware und installiert z.B. FreeDOS von Diskette. Weniger ambitionierte nutzen virtuelle Maschinen und erzeugen ein Disketten Image ;-)
- Die Diskette oder das eingebundene Floppyimage wird z.B. mit `format a: /F:720 /S` als Bootdiskette formatiert.
- Achtung FreeDOS installiert eine zur Hardware passende `KERNEL.SYS` Datei. Diese erfordert i.d.R. mindestens eine 80386 CPU und startet auf dem AT-Speed nicht.
- Eine gute Lösung ist es, die FreeDOS `KERNEL.SYS` und `COMMAND.COM` Dateien durch die entsprechenden Versionen aus EDR DOS zu ersetzen. Oder gleich eine entsprechende Diskette mit EDR DOS zu erstellen.
- Die direkte Installation von DOS von Diskette auf die DOS C: Partiton des AT-Speed ist auch möglich, allerdings sollte auf die Partitionierung durch das Installationsprogramm möglichst verzichtet werden, da ansonsten die gemeinsame Nutzung der Partition mit TOS ggf. nicht mehr möglich ist.
- FreeDOS 1.4 auf 720KB Disketten besteht aus 12 Disketten und ist ggf. etwas over-sized für den AT-Speed.
- Eine gute Balance zwischen modern genug, funktional und nicht zu groß bietet ggf. MS DOS 5.0, welches CZietz erfolgreich getestet hat.
Fehlerbilder und mögliche Ursachen
- AT-Speed wird von der Software nicht gefunden
- es ist kein AT-Speed vorhanden/das Ding auf der CPU ist gar kein AT-Speed ... ernsthaft?
- die Hardwareinstallation ist fehlerhaft, Sockel prüfen, ggf. Pins mit Kontaktspray beglücken
- AT-Speed defekt
- AT-Speed startet, DOS wird aber nicht gebootet
- Konfiguration des Bootlaufwerks fehlerhaft, internes oder externes Diskettenlaufwerk in ATS_INST.PRG richtig konfiguriert?
- Keine DOS Bootdiskette im Laufwerk
- C: Partition nicht bootfähig, `sys c:` von Bootdiskette ausführen
- Festplatten Partitionen unter DOS durcheinander
- Mapping der Partitionen in ATS_INST.PRG fehlerhaft, prüfen
- max. 32 MB Regel für alle Partitionen VOR den DOS Partitionen nicht eingehalten, neue Partitionierung erforderlich
- Festplatten Partitionen unter DOS nicht zugreifbar
- Partitionierung nicht entsprechend Vorgaben s.o., "richtig" machen
- DOS Version ist zu alt/nicht funktional, modernes DOS verwenden
Heinz Schmidt, goetz @ 3rz
letztes Update: 07.12.2025 (Heinz Schmidt)
Besonderer Dank an CZietz für die AT-Speed IDE Software und unermüdliche Unterstützung beim Suchen von Konfigurationsfehlern. Beides entscheidende Voraussetzungen für Kapitel 2. dieses Artikels.
















